Die Scientists4Future sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich - inspiriert von der weltweiten Fridays For Future Bewegung - als Unterstützerinnen und Unterstützer zusammengeschlossen haben. Wir in der Regionalgruppe Wilhelmshaven - Friesland sind allesamt motiviert von dem Gedanken, etwas tun zu wollen - für den Erhalt unserer Stadt, unserer Region, unseres Landes, unseres Kontinents, unseres Planeten - eben unserer Lebenswelt.

Unsere Region bietet dazu viele Ansätze: Land und Wasserwirtschaft, Maritimes, Naturschutz, Tourismus und ein bundesweit positives Image für erneuerbare Energien. Das macht optimistisch.

 


Umwelt- und Klimacamp Wilhelmshaven

 Wir haben große Herausforderungen durch vielfältige menschengemachte Krisen, wie z.B. Klima­krise, Artensterben, Pandemie, Luftverschmutzung, Plastikmüll, Meeresspiegelanstieg und nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine.

 

  • Viele dieser Krisen hängen zusammen und dürfen nicht isoliert betrachtet werden.
  • Der Krieg in der Ukraine darf nicht dazu führen, dass die Klimakrise, Natur- und Arten­schutz sowie die anderen Krisen hinten angestellt werden
  • Der naturverträgliche Ausbau der erneuerbaren Energien sollte noch schneller vorangetrie­ben werden
  • Wir dürfen kein Fracking-Gas importieren
  • Wir sollten unsere Wälder nicht verfeuern. Biomassekraftwerke heizen den Klimawandel weiter an.
  • Der Anbau von Energiepflanzen belegt viel landwirtschaftliche Fläche, schadet der Biodi­versität und sollte durch Photovoltaik ersetzt werden.
  • Die Wiedervernässung von Moorflächen ist nötig, um CO2-Emissionen zu verringern
  • Der Ausbau der Wasserstofftechnologie sollte koordiniert erfolgen.
  •  Wir brauchen mehr Energieeinsparungen, z.B. in den Bereichen Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft

  Wir Menschen verändern unsere Umwelt, das Klima, die Biodiversität und unsere Natur. Wir soll­ten respektvoller mit der Natur umgehen. Der Klimawandel bedroht die Biodiversität. Maßnahmen zu Klimaschutz und klimafreundlicher Energiegewinnung dienen somit auch der Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, gleichzeitig können sie aber auch Natur gefährden. Hier gilt es die schonendsten Wege zu finden.

 

Die Bundes- und Landesebene verfolgt, schnellstmöglich von russischen Energielieferungen weg­zukommen und die erneuerbaren Energien auszubauen. Dieses begrüßen wir ausdrücklich [1]. Der Zubau der Solarenergie auf bereits versiegelten Flächen kann noch engagierter vorangetrie­ben werden, der bisherige Entwurf des EEG 2023 sollte gerade für Dachanlagen [2] und hier auch für Ost- und Westlagen weitere Maßnahmen vorsehen und attraktiver werden. Letztlich sollten alle geeigneten Dächer aber auch sonstige bereits versiegelte Flächen wie Verkehrsflächen für Solar­energie genutzt werden. Photovoltaik-Freiflächenanlagen können bei guter Planung, Umsetzung und Pflege einen Gewinn für den Natur- und Artenschutz darstellen [2a].

 

Wir begrüßen die geplanten Maßnahmen für beschleunigten naturverträglichen Ausbau der Wind­energie [3, 4]. Für die Standortauswahl müssen artenschutzrechtliche Kriterien berücksichtigt wer­den und Vermeidungsmaßnahmen müssen das Kollisionsrisiko reduzieren, besonders für Arten, für deren Bestand Deutschland eine besondere Verantwortung trägt [3a]. Windenergie und Arten­schutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Für Offshore-Windenergie muss der Aus­bau und die Netzanbindung koordiniert erfolgen und die Auswirkungen auf die Naturräume im Wat­tenmeer und in der Nord- und Ostsee minimiert werden. Die Belastungsgrenze des Meeres und des Küstenökosystems darf nicht überschritten werden [4a]. Andere Belastungen sind in diesen Bereichen nicht auszubauen sondern zu reduzieren.

 

Aktuell sind in Wilhelmshaven aber auch an anderen Küstenstandorten in Deutschland LNG-Termi­nals im Eilverfahren geplant, um das russische Gas zu ersetzen. Bei der Produktionskette des Erd­gases, insbesondere bei Fracking-Gas, der Verflüssigung und dem Transport von LNG entweichen erhebliche Mengen Methan bzw. entstehen erhebliche Verluste mit entsprechender klimaschäd­licher Wirkung. Wir dürfen kein Fracking-Gas importieren  [6, 7]. Mit Hilfe einer stark beschleunig­ten Wärmewende sowie Energieeinsparungen kann in wenigen Jahren so viel Erdgas eingespart werden, wie wir bislang aus der Russischen Föderation importiert haben [1].

 

Für die Energiewende brauchen wir die Wasserstofftechnologie. Die Industrie entwickelt und plant hierzu vielfältige Projekte, gerade auch hier in Wilhelmshaven und in anderen Küstenregionen. Wir brauchen eine überregionale, bundesweite Koordination der Wasserstoffprojekte und der Ausbau­ziele, um die richtigen Anreize zu setzen [5].  Aufgrund der Umwandlungsverluste sollte Wasser­stoff nur dort eingesetzt werden, wo effektivere Technologien nicht möglich sind. Wasserstoff-PKW sind beispielsweise deutlich ineffizienter als batteriebetriebene Elektroautos. Wasserstoffimporte in großen Mengen sind nur dann sinnvoll, wenn sichergestellt ist, dass die Energieversorgung auch in den Exportländern klima-, umwelt- und sozialverträglich ist [5a].

 

Ein Umbau von Kohlekraftwerken zu Biomassekraftwerken, wie in Wilhelmshaven geplant, läuft dem Klimaschutz zuwider. Der benötigte Brennstoffbedarf wird nicht aus Altholz oder Waldrestholz gedeckt werden können, deshalb müssten Wälder dafür abgeholzt werden, was zu erheblichen zu­sätzlichen CO2-Emissionen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten führen wird[8, 9].

 

Der Anbau von ackerbaulichen Energiepflanzen nimmt landwirtschaftliche Flächen in erheblichem Ausmaß in Anspruch. Der Energiegewinn pro Fläche ist dabei wesentlich geringer als mit Photo­voltaik. Die Flächen können besser für die Produktion von Lebensmitteln, für Bau- und Rohstoffe, Waldaufbau und Naturschutz genutzt werden. Biogas und Agrokraftstoffe hingegen sollten nur noch aus anderweitig nicht mehr verwertbaren Reststoffen gewonnen werden [5a].

 

Um die Treibhausgasemissionen aus entwässerten Mooren zu reduzieren, sollte die Wiederver­nässung von Moorböden ausgedehnt werden. Das kann gleichzeitig dem Naturschutz und dem Kli­maschutz dienen. Wir begrüßen, dass bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen in trockengeleg­ten Moorgebieten laut dem Entwurf des EEG 2023 für Photovoltaikanlagen verwendet werden kön­nen, wenn diese Moorflächen wiedervernässt werden. Weiterhin sollte die Paludikultur zur Gewin­nung von nachwachsenden Rohstoffen ausgeweitet werden. Ziel sollte sein, dass die Moorflächen soweit wiedervernässt werden, dass sie keine Treibhausgase mehr ausstoßen [10].

 

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie durch die Bürgerinnen und Bürger akzeptiert und unterstützt wird und die Menschen mit einbezogen werden. Ein großes Potential für den Klima­schutz liegt vor allem in der Einsparung von Energie, die sich durch technische Maßnahmen oder Verhaltensänderungen erreichen lassen [5a]. Wir brauchen hierfür die notwendigen Rahmenbedin­gungen durch Bund und Länder. Eine Umrüstung auf Wärmepumpe, eine Solaranlage auf dem Dach oder Wärmedämmmaßnahmen müssen sich für die Menschen lohnen und müssen machbar sein. Die Energiewende von unten kann nur gelingen, wenn wir ausreichend qualifizierte Hand­werksbetriebe haben und die Geräte und Systeme auch verfügbar und notwendige Genehmigun­gen einfach und transparent sind.

 

Im Verkehrssektor ist noch deutlich mehr zu machen. Neben der Umstellung auf Elektromobilität sollte der öffentliche Personenverkehr durch ein gut ausgebautes, barrierefreies, bezahlbares, leicht verständliches Angebot flächendeckend ausgebaut werden. Rad- Fuß- und Schienenverkehr sollten deutlich ausgebaut werden. Tempolimits, Verbot von Kurzstreckenflügen, günstige Tickets und das Streichen klimaschädlicher Subventionen wie Dienstwagenprivileg und Dieselsubventio­nen können kurzfristige Maßnahmen sein. Der Güterverkehr sollte ebenfalls umweltverträglich und emissionsfrei werden und möglichst auf die Schiene verlegt werden. Einfache Container-Verlade­systeme an möglichst vielen Bahnhöfen könnte Güterverkehr auf der Straße reduzieren.

 

Der hohe Flächenverbrauch für neue Baugebiete geht zu Lasten der Natur und auch des Klimas, da durch Neubau von Gebäuden und Infrastruktur zusätzliche Treibhausgasemissionen entstehen. Die energetische Sanierung vorhandener Gebäude ist vordringlich. Bei erforderlichen Neubauvor­haben müssen neue, kompakte Formen des Wohnens und Bauens entwickelt werden, um den zu­nehmenden Flächenverbrauch durch Baugebiete und Verkehrsflächen einzudämmen.

 

In einer Zeit, in der die Probleme für Klima, Biodiversität Boden und Wasser aufgrund intensiver landwirtschaftlicher Nutzung erkannt werden, kann der durch den Ukrainekrieg weltweit drohenden Getreideknappheit nicht dadurch begegnet werden, dass die geplanten und dringend benötigten Maßnahmen zum Schutz von Boden, Wasser und biologischen Vielfalt aufgeschoben werden. Eine vielfach größere Fläche für die Nahrungsmittelproduktion kann mit einer Reduktion von Agrokraft­stoffen und Biogas sowie der Reduktion der Tierhaltung gewonnen werden. Auch in diesem Sektor sind Einsparungen ein effektiver Beitrag zum Klimaschutz [11].


1. Wärmewende beschleunigen, Gasverbrauch reduzieren. Diskussionsbeiträge der Scientists for Future 10
doi:10.5281/zenodo.6363715. https://info-de.scientists4future.org/waermewende-beschleunigen-gasverbrauch-reduzieren-ein-kurzimpuls/

2. Stellungnahme zum Referentenentwurf der Erneuerbare-Energien Novelle. BUND. 17.03.2022. https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/energiewende/energiewende_eeg_novelle_stellungnahme_2020.pdf

2a. DNR et al. 2021: Solaranlagen: Chance für Naturschutz, Erfordernis für Klimaschutz – Forderungen der Umwelt- und Naturschutzorganisationen für einen naturverträglichen Ausbau https://www.dnr.de/themen/positionen/solaranlagen-chance-fuer-naturschutz-erfordernis-fuer-klimaschutz

3. Beschleunigung des naturverträglichen Ausbaus der Windenergie an Land. BMUV, BMWK. 04.04.2022. https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Artenschutz/eckpunkte_windenergie_land_artenschutz_bf.pdf

3a. Fachgruppe Rotmilan der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, März 2022

http://www.do-g.de/fileadmin/Stellungnahme_Fachgruppe_Rotmilan_Todesursachen_WEA_2022-03_DO-G.pdf

4. Mehr Windenergie auf See.
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/windenergie-auf-see-gesetz-2022968#:~:text=Der%20Ausbau%20der%20Offshore%2DWindenergie,mindestens%2070%20Gigawatt%20erzeugt%20werden

4a. BUND 2021: Klimaschutz nur mit Meeresnaturschutz.

https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/klimaschutz-nur-mit-meeresnaturschutz/

5. Eine Wasserstoff-Roadmap für Deutschland. Fraunhofer. Okt. 2019.

https://www.ieg.fraunhofer.de/content/dam/ieg/documents/pressemitteilungen/2019-10_Fraunhofer_Wasserstoff-Roadmap_fuer_Deutschland.pdf

5a. Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte.

https://de.scientists4future.org/klimavertraegliche-energieversorgung-de-in-16-punkten/

6. Gemeinsames POSITIONSPAPIER „LNG stoppen! Öffentliche Gelder besser für Erneuerbare. und Speicherausbau!“. Bündnis Bürgerenergie e.V. 15.07.2020 https://www.dgs.de/fileadmin/newsletter/2019/LNG_stoppen.pdf

7. Manuskript zum Thema LNG-Terminals in unserer Region. KANS.

8.  Ein Biomassekraftwerk in Wilhelmshaven? Umrüstung des Onyx-Kraftwerks von Kohle auf Holz. Scientists for Future RG Wilhelmshaven-Friesland, 08.11.2021.

9. Wilde Wälder schützen – nicht verfeuern! Robin Wood, 1.21. https://www.robinwood.de/sites/default/files/148-g-16-23-wald-ene-biomasse-1_0.pdf

10 Kurzpositionierung des Greifswald Moor Centrum zu Photovoltaik- und Windkraftanlagen auf Moorböden. Greifswald Moor Centrum . 14.09.2020. https://greifswaldmoor.de/files/dokumente/Infopapiere_Briefings/200915_Kurzposition_PV%2BWindkraft-auf-Moor.pdf

11 Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen in Deutschland: Positionierung zur ausgerufenen Zeitenwende https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/bund/bund_positionierung_zeitenwende_ukraine.pdf



Ein Biomassekraftwerk in Wilhelmshaven?

 Umrüstung des Onyx-Kraftwerks von Kohle auf Holz

 

Der Kraftwerksbetreiber Onyx plant, sein Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven auf Biomasse umzurüsten1. Dabei soll im Kraftwerk nach der Umrüstung Holz bzw. Holzpellets statt der Steinkohle verbrannt werden, um Strom zu erzeugen. Das Holz bzw. die Pellets sollen aus Abfällen der Holzwirtschaft (Tischlereien, Bauwirtschaft usw.) oder aus beschädigten Frischhölzern der Forstwirtschaft stammen. Onyx behauptet, die Verbrennung der Pellets sei klimaneutral, da andernfalls das im Holz gebundene CO2 beim Verrotten ohnehin freigesetzt würde. Aufgrund dieser Argumentation wird eine Förderung aus Steuergeldern angestrebt.

Das Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven ist allerdings nicht das einzige Kraftwerk in Deutschland, Onyx und andere Kraftwerksbetreiber planen zurzeit mindestens sieben Kohlekraftwerke in Deutschland auf Biomasse, also Holz, umzurüsten.

 

Die Umrüstung des Kohlekraftwerks von Onyx in Wilhelmshaven zu einem Biomasekraftwerk macht sowohl aus

klimapolitischerals auch aus energietechnischer Sicht

 

     Kohlekraftwerk von Onyx in Wilhelmshaven.

 

keinen Sinn. Es ist offensichtlich, dass der benötigte Brennstoffbedarf nicht aus bislang ungenutztem Altholz oder Waldrestholz gedeckt werden kann. Wahrscheinlich wird es so sein, dass die benötigten Holzpellets wie bei dem Biomassekraftwerk Drax in Großbritannien, importiert werden müssen und diese durch Abholzung bestehender Wälder

hergestellt werden.Dieses Vorgehen würde aber zu erheblichen zusätzlichen CO2-Emissionen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten führen und eine Einhaltung des Klimaschutzabkommens von Paris weiter erschweren. Im Gegenteil, der Klimawandel würde im wahrsten Sinne des Wortes zusätzlich befeuert. Selbst wenn die abgeholzten Flächen wieder aufgeforstet würden, würde es Jahrzehnte brauchen, bis die CO2 Menge wieder in den nachwachsenden Bäumen gespeichert würde. Um den fortschreitenden Klimawandel aufzuhalten, müssen wir aber bereits in den nächsten Jahren die menschengemachten CO2 Emissionen drastisch senken und auf null zurückfahren.

 

Damit das Biomassekraftwerk für Onyx wirtschaftlich betrieben werden könnte, müssten erhebliche Fördergelder in dreistelliger Millionenhöhe, nicht nur für die Umrüstung, sondern auch für den jährlichen Betrieb an Onyx bezahlt werden. Damit würden die Kosten für die kWh Strom bei dem Biomassekraftwerk etwa doppelt so hoch sein wie bei neuen Windenergie- und Solaranlagen.

 

Bei einer Erzeugung von Wasserstoff durch das Biomassekraftwerk würde der Wirkungsgrad noch weiter herabgesetzt werden. Mehr als 70 % der ursprünglichen Energie des Holzes würde ungenutzt den Jadebusen und die Nordsee aufheizen. Wasserstoff sollte nur durch überschüssige Wind- und Solarenergie erzeugt werden, wozu der massive Ausbau von Windenergie- und Solaranlagen und der Netze notwendig ist. Der chemische Energiespeicher Holz würde in einen anderen (Wasserstoff) umgewandelt mit Verlusten von über 70%. Das erscheint irrwitzig – schließlich kann auch Holz saisonal gelagert und bedarfsabhängig verstromt werden. Deutlich effizienter ist stattdessen der direkte Einsatz von Restholz zur Wärmegewinnung in der Industrie, wie ihn das Umweltbundesamt empfiehlt (s.u. 4).

 

 

Das Kohlekraftwerk

Das Onyx-Kraftwerk in Wilhelmshaven ist ein erst 2015 in Betrieb genommenes Steinkohlekraftwerk mit einer maximalen elektrischen Leistung von 731 Megawatt2 und einem elektrischen Wirkungsgrad von 46 %. In diesem Kraftwerk werden in Spitzenzeiten 200 Tonnen Steinkohle pro Stunde verfeuert3. Die im Kraftwerk anfallende Wärme wird nicht genutzt, sondern wird über den Jadebusen in die Nordsee abgeleitet.

 

 

Die Brennstoffe

Holz ist prinzipiell ein nachwachsender Rohstoff: die Bäume nehmen Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf und bauen es in ihre Substanz ein. Das schützt das Klima jedoch nur, wenn der Kohlenstoff weiterhin gebunden bleibt, z.B. in Bauholz, Dämmstoffen, Möbeln, auch in Totholz im Wald sowie im Boden, in dem sich Humus anreichert. Es wird sogar diskutiert, den Kohlenstoffspeicher Holz unterirdisch zu lagern, um die Kohlendioxidlast der Atmosphäre zu vermindern. Auch eine Zunahme an Waldflächen und das Alter der Bäume wirken gegen den Klimawandel.

 

“In einer klimaneutralen Zukunft wird Altholz und Waldrestholz nur noch als Rohstoff und für die Wärmeerzeugung in der Industrie zur Verfügung stehen“, stellt das Umweltbundesamt fest4. Wenn daneben Restholz im Wald verbleibt, führt das zu einer Anreicherung der Totholzvorräte und damit auch zur Erhöhung des Kohlenstoffspeichers im Boden. Zudem spielt Totholz eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem des Waldes. Totholz und abgestorbene aber noch stehende „Habitatbäume“ bilden die Lebensgrundlage vieler Lebewesen und tragen erheblich zur Artenvielfalt bei. Auch der von der Bundesregierung eingerichtete Waldklimafonds fördert den Erhalt und Ausbau des Waldes als Kohlenstoffsenke.

 

Wie die Kohlenstoffinventur des Instituts für Waldökosysteme ergab, hat der Wald in Deutschland 2012 bis 2017 durch Holzzuwachs und Bindung von CO2 im Boden die Atmosphäre um 62 Mio. t CO2 jährlich entlastet und damit 7% unserer CO2-Emissionen kompensiert5. Viele Aufforstungsprojekte wurden bereits gestartet, um Klimabelastungen auszugleichen. Bei Holz, das verbrannt wird, fällt diese Kompensation weg. Zudem ist nicht sicher, ob und wann Nachpflanzungen überhaupt eine Abholzung wieder ausgleichen können, da unter dem Einfluss des Klimawandels verstärkt Waldschäden auftreten. So war in den deutschen Wäldern die Absterberate 2020 überdurchschnittlich hoch6. Bei weiter steigenden Temperaturen und Trockenheit ist mit zusätzlichen Dürreschäden zu rechnen.

 

Die Herkunft von Holzpellets

Grundvoraussetzung für einen klimafreundlichen Betrieb des geplanten Biomassekraftwerkes ist eine ausschließliche Verwendung von klimafreundlich erzeugtem Holz. Wenn Bäume gefällt und verbrannt werden, setzt das sofort viel CO2 frei. Heranwachsende Bäume brauchen aber 50-80 Jahre, um dieses CO2 wieder zu binden. In dieser Zeit sind die CO2-Emissionen erhöht, was den Klimawandel anfeuert. Im Vergleich zur Verbrennung verrottet Holz viel langsamer. Klimaschutz ist mit Holzverbrennung nicht möglich, klimaneutral kann sie nur in geringer Menge sein, sofern im gleichen Zeitraum entsprechend viel Holz nachwächst. Für nachhaltig bewirtschaftete Waldflächen ist deshalb der jährliche Holzertrag auf etwa 7,2 Festmeter pro ha begrenzt7. Wird dem Wald mehr Holz entnommen, kippt die Klima- und Ökobilanz.

 

Für das Kraftwerk in Wilhelmshaven werden laut Onyx jährlich etwa 1 bis 1,2 Mill. Tonnen Holzpellets benötigt, das entspricht 2 bis 2,5 Millionen Festmetern Holz8. Das Kraftwerk würde damit zwischen 280.000 und 350.000 ha Waldfläche benötigen, das das entspricht der Flächengröße des Saarlands.

 

Aus Deutschland kann diese Menge Holz nicht kommen. Der Holzmarkt ist schon jetzt angespannt. Hier produzierte Pellets aus Restholz der Sägewerke werden hauptsächlich in kleinen Heizungsanlagen verbraucht.

 

Laut Onyx soll das Biomassekraftwerk unter anderem durch Abfälle der Holzwirtschaft betrieben werden. Selbst wenn man berücksichtigt, dass dort auch vorbelastetes Altholz verwendet werden würde, würde die in Deutschland anfallende Menge aus Altholz und weiteren Abfällen der Holzwirtschaft kaum ausreichen, da diese bereits zurzeit in bestehenden Kraftwerken wie z. B. Sperrmüll in Altholzkraftwerken oder Müllverbrennung vollständig genutzt werden. Onyx würde somit anderen Anlagen die bisher verwendeten Altholzmengen wegnehmen.

 

Es müsste Holz in großem Stil importiert werden. Nicht umsonst liegen die meisten Kraftwerke, die auf Holzverbrennung umgerüstet werden sollen, in Hafenstädten wie Bremen, Hamburg, Rostock. Der Holzpelletbrennstoff für das Biomassekraftwerk Drax in Großbritannien wird in den USA durch großflächigen Kahlschlag alter Wälder gewonnen - in einem Biodiversitäts-Hotspot9, d.h. einem Gebiet mit besonders vielen nur dort vorkommenden Arten. Einer der größten Pellethersteller in den USA ist Enviva, ein Konzern, der zusammen mit dem Kraftwerksbetreiber Onyx zum Riverstone-Konzern gehört10. Der Holzhunger Dänemarks zur Energieerzeugung gefährdet die Wälder im Baltikum, wie 32 Naturschutzorganisationen beklagen11.